Erläuterungen zu ›Kaff auch Mare Crisium‹

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Der Kommentar besitzt aktuell 304 Einträge. Die letzte Änderung erfolgte am 10. September 2017.

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91.22
Und auch das unvermeidliche ‹Mensch ärger’ Dich nich’.›: wenn ich bloß ma rauskrickte, Wer das eigentlich erfundn hat!

Der Erfinder heißt: Josef Erich Schmidt.

BB 20
 
91.37
»Wer über seinen Kampf um Lebensglück / sich nur 1 Haar versehrt, […] und bei Sonnenschein / mit Schiff & Schatz betroffen untersinkt.«

Eintrag zum 28. Oktober in Leopold Schefers ›Laienbrevier‹ (Berlin 1835, S. 226):

Wer über seinen Kampf um Lebens=Glück
Sich nur ein Haar versehrt, nur Einzelnes
Im Auge, Nächstes im Gefühl, wohl gar
Gesundheit sich vescheucht – die Schöpferin
Der Freude aus dem langen Lebensstrome,
Der gleicht dem Kinde, das den Korb voll Perlen
Durch einen Wald von Räuber, Sturm und Blitze
Auf hohlem Boden sicher hingetragen –
Und nun, bei Blumenpflücken, sich verliert;
Der gleicht dem Manne, der ein Schiff Kleinode
Soll über Meer zum fernen Hafen steuern,
Und – alle Tage in des Schiffes Boden
Zum Spiel ein Loch bohrt, und bei Sonnenschein
Mit Schiff und Schatz betroffen untersinkt.

BB 17–18, S. 15
Schefer, Laienbrevier
93.34
‹DAS VATERHAUS›! – Mensch, allein das Umschlack=Bild. (Und darin eine ‹FAMILIE ADLERHORST›? Was war d’nn das? Das kannt’ich ja gar nich!).

Karl May erzählt in seinem (anonymen) Kolportageroman ›Deutsche Herzen, deutsche Helden‹ (1885–1888) die Schicksale der Familie von Adlerhorst. Der Karl-May-Verlag publizierte 1927/1928 eine Vorabdruck seiner Bearbeitung unter dem Titel ›Die Familie Adlerhorst‹ in der Zeitschrift ›Das Vaterhaus‹.

 
93.38
»Potz Carocha & Sanbenito, Tanndte: das sind doch Alles Katholen!«

Eine »Carocha« ist eine zylinderförmige Ketzermütze aus Papier oder Pappe, auch »Sanbenito« genannt.

BB 23
 
94.3
‹Copie Nr. 2 / für Herrn / Heinrich Andreas Näwy / […]

Arno Schmidt war über Hans Wollschläger im Juli 1959 in den Besitz einer Abschrift von Karl Mays ›Frau Pollmer, eine psychologische Studie‹ gekommen, dessen Manuskript zu dem Zeitpunkt vom Karl-May-Verlag noch unter Verschluss gehalten wurde. Die »Copie Nr. 2« ist eine Fiktion, um Schmidts Besitz der ›Studie‹ plausibel zu machen.

 
94.7
‹POLLMER & NÄWY›

Emma Lina Pollmer (22. November 1856 – 13. Dezember 1917), Karl Mays erste Ehefrau, von der er sich 1903 scheiden ließ. Trat in den Prozessjahren Mays auch als Zeugin gegen ihn auf.

Heinrich Andreas Nävy, Expedient und Gerichtsschreiber am Landgericht Dresden, dessen Name in den Akten zu Mays Meineids-Prozess auftaucht. Schmidt kannte den Namen aus Rudolf Lebius, ›Die Zeugen Karl May und Klara May‹, Berlin-Charlottenburg: Spreeverlag 1910.

 
94.33
‹Die Angejahrten wissen Euch zu schätzen›

Zitat aus Goethes ›Faust II‹:

Page
Ich bin verliebt, man hält mich nicht für voll.

Mephistopheles
Ich weiß nicht mehr, wohin ich hören soll.
Müßt Euer Glück nicht auf die Jüngste setzen.
Die Angejahrten wissen Euch zu schätzen. –

BB 23
[Faust II]
94.35
Azagouc & Zazamanc

Namen zweier Stoffe bzw. deren Herkunftsorte im ›Nibelungenlied‹. In Simrocks Übersetzung:

In arabische Seide, / so weiß als der Schnee,
Und gute Zazamanker, / so grün als der Klee,
Legten sie Gesteine: / das gab ein gut Gewand;
Kriemhild die schöne / schnitts mit eigener Hand.

[…]

Hört noch von ihren Kleidern / deren hatte sie genug.
Von Azagauger Seide / einen Wappenrock sie trug,
Der kostbar war und edel / daran warf hellen Schein
Von der Königstochter/ gar mancher herrliche Stein.

BB 17–18, S. 15
Simrocks Nibelungenlied
95.16
Die Ideen bildeten sich, während sie dozierte

Anspielung auf Heinrich von Kleists ›Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden‹.

BB 20
Kleist
96.21
‹helleborosn Farrago›

s. Kommentar zu S. 47

 
96.24
Also ‹eine echte Bereicherunk im Sinne der tria corda des Ennius›

Siehe auch ›Wieland, oder die Prosaformen‹: »eine Bereicherung im wahrsten Sinne der tria corda des Ennius« (II, 2, S. 304).

»Tria corda« – drei Herzen – behauptete der lateinische Dichter Quintus Ennius (3./2. Jh. v. Chr.) in seiner Brust zu haben, weil er neben seiner Muttersprache, dem Oscischen, auch noch Griechisch und Latein beherrschte. So überliefert es Aulus Gellius in seinen ›Attischen Nächten‹ (XVII 17).

[Otto Kaiser: Des Menschen Glück und Gottes Gerechtigkeit. Mohr Siebeck, 2007, S. V.]

BB 17–18, S. 15
 
97.8
Der normale Lebenslauf: Von der Pitié nach Bicêtre: Vom Arm’haus; übers Kittchn; in de Irrn=Anschtalt.

Pitié ist ein Armenkrankenhaus, Bicêtre eine Irrenanstalt und Gefängnis in Paris.

BB 17–18, S. 16
 
97.20
Lalande hat seine Katze an den Schternenhimmel versetzt – der französische Astronom. […] – Am Südhimmel: unterm Hals der Wasserschlange!

Die Katze (lat. felis) ist ein Sternbild des Südhimmels, das nicht zu den 88 von der IAU anerkannten Sternbildern zählt.

Die Katze ist Teil des offiziellen Sternbildes Wasserschlange. Sie liegt südwestlich des Stern μ Hydrae (42 Hya) und besteht nur aus lichtschwachen Sternen bis maximal 5m Größenklasse. Südlich von der Katze liegt das Sternbild Luftpumpe und westlich von ihr das Sternbild Kompass.

Eingeführt wurde das Sternbild »Felis« von Jérôme Lalande in seiner Himmelskarte von 1799 und es ist unter anderem im berühmten Sternkatalog von Johann Elert Bode zu finden.

[Wikipedia]
99.7
Potz Gruber & Lafontaine

Johann Gottfried Gruber (1774–1851); dt. Schriftsteller, Lexikograph und Literaturhistoriker, u. a. Biograph von August Heinrich Julius Lafontaine.

August Heinrich Julius Lafontaine (1758–1831); dt. Schriftsteller, schrieb zahlreiche Romane; vgl. auch Schmidts Dialog ›Eine Schuld wird beglichen‹ (geschrieben November bis Dezember 1965, gesendet im März 1966), BA II/3, S. 201–229.

BB 17–18, S. 16
 
99.9
gleich sex & firz ich

Vgl. Schmidts Übersetzungen aus ›Finnegans Wake‹ in ›Der Triton mit dem Sonnenschirm‹: »Größe sieben=und=firz=ich« (BA II/3, S. 33) und »mit Kopfnüssen von Voll=und=Firz=Ichen« (BA II/3, S. 46).

BB 20
 
99.21
Mit der Lust der Vollterknechtinn: Leopold Schtein, ‹DIE HEXEN SIND UNTER UNS›!

Gemeint ist die Studie ›Loathsome Women. The Witches among us‹ (1959) von Leopold Stein und Martha Alexander.

BB 17–18, S. 17